Was tun, wenn bei unserem Kunden, der Société Électrique de l’Our (SEO), eine 120 Tonnen schwere Maschinenkomponente ausgetauscht werden muss, der Platz unter Tage jedoch begrenzt ist und die bestehende Transportlösung den heutigen Anforderungen nicht mehr entspricht?
Dann ist eine Konstruktion gefragt, die exakt auf die besonderen Gegebenheiten im Pumpspeicherkraftwerk Vianden abgestimmt ist: technisch durchdacht, sicher und entsprechend nachgewiesen.Genau für diese Herausforderung haben wir gemeinsam mit dem Projektteam der SEO eine neue Transport- und Drehvorrichtung für den Ausbau schwerer Rotoren entwickelt und gefertigt. Ein Projekt, bei dem unsere Kompetenzen in Konstruktion, Berechnung und Fertigung unmittelbar zusammenspielen.

Ein Kraftwerk mit besonderer Verantwortung
Das 1964 in Betrieb genommene Pumpspeicherkraftwerk Vianden zählt zu den bedeutendsten Anlagen seiner Art in Europa. Innerhalb von etwa zehn bis fünfzehn Sekunden kann das Kraftwerk Leistung bereitstellen und so kurzfristig auf Schwankungen im Stromnetz reagieren.Gerade in einem Energiesystem, in dem die Einspeisung aus Wind- und Solarenergie zunehmend schwankt, ist diese Flexibilität von großer Bedeutung. Damit dies langfristig gewährleistet bleibt, müssen auch die tief im Inneren der Anlage gelegenen Maschinen zuverlässig leistungsfähig bleiben.
Wenn aus einem Rotor eine logistische Herausforderung wird
Seit 2017 werden bei SEO schrittweise die Rotoren eines bestimmten Maschinentyps erneuert. Jeder von ihnen bringt rund 120 Tonnen auf die Waage. Schon der Ausbau ist technisch anspruchsvoll. Die eigentliche Herausforderung beginnt jedoch beim Transport.Unter Tage sind die Platzverhältnisse stark begrenzt. Aufgrund seiner Dimensionen kann der Rotor nicht direkt auf den Schwertransporter verladen werden. Er muss zunächst mithilfe der vorhandenen Krananlagen abgesetzt und gedreht werden, bevor er in der richtigen Position aufgenommen werden kann.
Dabei darf eine bestimmte Gesamthöhe nicht überschritten werden, damit der Transport die vorhandenen Wege und Stollen passieren kann.
Bislang kamen hierfür Vorrichtungen aus den 1980er-Jahren zum Einsatz. Nach mehreren Jahrzehnten war eine neue Lösung gefragt, die den heutigen technischen und sicherheitsrelevanten Anforderungen entspricht.
Unsere Aufgabe: eine Lösung für besondere Bedingungen
Gemeinsam mit dem Projektteam der SEO analysierten wir die Anforderungen und Gegebenheiten vor Ort. Auf dieser Grundlage entwickelten wir eine individuell auf den Einsatz zugeschnittene Vorrichtung.Diese musste die enorme Last sicher aufnehmen, den notwendigen Drehvorgang ermöglichen und innerhalb der begrenzten Platzverhältnisse funktionieren. Gleichzeitig mussten die Höhenvorgaben für den anschließenden Schwertransport eingehalten werden.
Von der technischen Planung und Konstruktion über die Berechnung bis zur Fertigung konnten wir dabei unterschiedliche Kompetenzen bei KARL HUGO miteinander verbinden. Entstanden ist keine Standardlösung, sondern eine speziell für den Einsatz im Pumpspeicherkraftwerk Vianden entwickelte Vorrichtung.
Und sie ist bereits für kommende Aufgaben ausgelegt. Obwohl die aktuell zu bewegenden Rotoren rund 120 Tonnen wiegen, ist die neue Vorrichtung für Lasten von bis zu 150 Tonnen konzipiert.

Mehr als Fertigung: CE-konformer Vorrichtungsbau
Bei einer Konstruktion für Lasten dieser Größenordnung steht die Sicherheit besonders im Mittelpunkt. Es reicht dabei nicht aus, dass eine Vorrichtung ihre Aufgabe in der Praxis erfüllt. Ihre Auslegung muss technisch nachvollziehbar sein und durch entsprechende Nachweise belegt werden.Deshalb endete unsere Arbeit nicht mit Konstruktion und Fertigung. Auch die notwendigen statischen Berechnungen und Nachweise für eine CE-konforme Ausführung gehören zu unserem Leistungsumfang.
Bei KARL HUGO führen wir Konstruktion, Berechnung, Fertigung und technische Dokumentation in einem abgestimmten Prozess zusammen. So entsteht nicht einfach ein individuell gefertigtes Bauteil, sondern eine technisch durchdachte Gesamtlösung, deren Auslegung und Sicherheit entsprechend dokumentiert ist.
Diese Kompetenz kommt insbesondere im Sonder- und Vorrichtungsbau, bei anspruchsvollen Hebe- und Transportaufgaben sowie bei individuell entwickelten Betriebsmitteln zum Tragen.
Entwickelt für 120 Tonnen, gedacht für die nächste Herausforderung
Mit dem aktuellen Projekt endet bei SEO der Austausch der vier Rotoren dieses Maschinentyps. Die nächsten Arbeiten stehen allerdings bereits bevor: Im Jahr 2027 soll eine weitere Maschine eines anderen Typs zerlegt und überholt werden.Welche Transportlösung dabei zum Einsatz kommt, wird derzeit noch geprüft. Mit einer Auslegung auf bis zu 150 Tonnen haben wir die neue Vorrichtung jedoch bewusst so konzipiert, dass sie auch für zukünftige Aufgaben zusätzliche Möglichkeiten bietet.
Das Projekt zeigt, wie wir bei KARL HUGO an individuelle Aufgabenstellungen herangehen. Wir verstehen die Anforderungen und Bedingungen vor Ort und bündeln unsere Kompetenzen aus Engineering und Fertigung, um eine sichere und praxistaugliche Lösung zu entwickeln.
Gerade dort, wo Standardlösungen an ihre Grenzen stoßen, beginnt für uns der individuelle Maschinen- und Vorrichtungsbau.